Die Krypta in Leer
Die Krypta in Leer
Auf dem alten reformierten Friedhof Westerende in Leer gibt es ein Gewölbe, das eine besondere historische Bedeutung hat: Die Krypta ist das letzte Überbleibsel der ersten Steinkirche der Stadt, die um 1189 erbaut wurde und bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bestand. Das romanische Gotteshaus stand dabei auf wahrhaft heiligem Boden: An diesem Ort ließ der Missionar Liudger (742 – 809 n. Chr) eine erste Kapelle bauen, die damit den Grundstein für das Christentum in Ostfriesland legte.
Darauf weist auch eine lateinische Inschrift hin, die auf einer Tafel an der Krypta angebracht ist. Sie lautet: „Dum igitur in Fresia docendi gratia ad aecclesiam suam venisset in loco, qui dicitur Hleri, iuxta fluvium Lade“. Übersetzt etwa: Während seines (Liudgers – Anm. des Verfassers) Aufenthalts in Friesland erlangte seine Kirche an einem Ort namens Hleri (Leer) am Fluss Lade (Leda) die Gnade des Lehrens“. Das Zitat stammt aus einer Lebensbeschreibung Liudgers, die von Altfridus, Bischof von Münster, verfasst wurde. Dieser war historisch dicht „dran“ an dem Missionar, da er nämlich zweiter Nachfolger auf dem bischöflichen Stuhl war.
Etwa ab dem 10. Jahrhundert entstanden in dem Bereich am Westerende zwei Holz-Kirchen, bevor schließlich die St. Liudger-Kirche in romanischer Bauweise entstand.
Das Gemäuer verfiel im 17. Jahrhundert zunehmend und wurde von der 1782 eingeweihten Großen Kirche in Leer abgelöst. Die Liudger-Kirche wurde bis auf die Krypta abgebrochen. Sie beherbergte als Grabkammer die letzten Ruhestätten von Pastoren und betuchten Einwohnern.
In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde das Dach der Krypta durch einen Bombentreffer schwer beschädigt. Ab Mitte der 1950er Jahre wurde sie saniert und zu einem Gedenkort für die Gefallenen der beiden Weltkriege und der jüdischen NS-Opfer umgestaltet. Eine Turmhalle ist über dem Zugang zu dem Gewölbe errichtet worden. Lange Zeit lag auch ein Buch mit den Namen der Opfern hier aus. Doch wegen der zunehmenden Feuchtigkeit wurde es ins Stadtarchiv nach Leer gebracht.
An der Ostseite der Stätte sind mehrere Grabplatten angebracht. Sie zeigen zum Teil Abbildungen von örtlichen Herrschern, darunter auch von Claes Frese (gest. 1589), dem letzten Drosten von Leerort und Leer, der auch die ursprüngliche Haneburg erbaute.
Die Stadt Leer pachtete die Krypta für 60 Jahre als Gedenkraum. Der Vertrag lief 2019 aus und wurde nicht wieder verlängert. Seitdem ist die reformierte Kirche wieder für die Krypta zuständig. Eine dringend notwendige Sanierung steht seitdem aus.
Auch auf der Krypta befinden sich Grab- und Gedenksteine. So etwa für Teletta Groß (1801-1888), Begründerin der „Höheren Töchterschule“ in Leer und Namensgeberin des heutigen Gymnasiums.